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Unser Margaretenfest- Der Beweis einer starken Dorfgemeinschaft

Als am 5. Januar 1951 der Gemeinderat einstimmig eine Feier am Margaretentag beschloss, war das Margaretenfest geboren. Die Zustimmung zu diesen dann 3 Festtagen war allerdings in der Bevölkerung nicht ganz so einhellig. In einem kürzlich gefundenen Brief, den eine damals 65-jährige Zeitzeugin am 26.7. 1951 an ihre Tochter schrieb, heißt es : „ Unser Margaretenfest ist auch vorüber. Wir hatten sehr schönes Wetter und es sind den Bauern ihre Wünsche nicht in Erfüllung gegangen. Die hätten haben mögen, dass es die drei Tage geregnet hätte. Ein Bauer soll gesagt haben, er gäbe seine halbe Ernte her, wenn es die drei Tage regnen tät, aber sonderbar die drei Tage waren so schön und heiß und am Dienstag war es dann kalt und unfreundlich.“Und weiter fährt die Margetshöchheimerin fort: „ Nur schade, dass ihr nicht da sein konntet,da hätten die Kleinen was gesehen. Der Holz Johann hat gesagt: Jetzt bin ich schon 70 Jahr alt so was schönes hätte er noch nicht gesehen. Der Zug am Sonntag war sehr schön und am Montag noch schöner, da war Kinderfest. Hättest mal sehen sollen wie die Schwestern dieKinder zusammen gerichtet haben, das war wunderbar. Ein Teil haben Schwäne vorgestellt,andere Marienkäfer, die andern die sieben Zwerge, da war überall die Königin dabei, die ist auf so einem Leiterwägelchen gefahren worden. Die haben Kleider von Papier angehabt und die Hüte dazu. Die Leute die hier waren die haben alle gestaunt, die Veitshöchheimer sagen da war ihr Winzerfest gar nichts dagegen die dürfen rüber und dürfen lernen. Was das alles für Arbeit gemacht hat, die Wagen zusammen zu stellen, und das ganze Dorf war ja so schön geputzt. Am Samstagabend war das Bierzelt schon voll, dachte mir was soll das am Sonntag werden, es war eine Unmenge von Menschen da die drei Tage. Haben einen jungen Lehrer (Frischholz) bekommen, der paßt nach Margetshöch-heim. Wie gewünscht es hat alles zusammengeholfen, das war die reinste Mess bei uns, am Main konnte man alles haben.“ Der damalige 1. Bürgermeister Ludwig Volk (SPD) gilt als der Vater des Margaretenfests, das bis heute gefeiert wird, und immer zahlreiche Besucher anzieht. Die 3 Tage sind sehr beliebt und sie gehören zum festen Bestand der jährlichen Veranstaltungen im Landkreis. Ein noch erhaltener Programmzettel aus dem Gründerjahr 1951 (unser Bild) zeigt, dass sich aber in den nun schon 57 Jahren einiges am Ablauf geändert hat. So konnte man es sich in den ersten Jahren noch leisten, Eintritt zu verlangen. Außer Kiliani in Würzburg gab es in der Umgebung kein Fest dieser Art. Beim Start 1951 kostete das Eintrittsabzeichen für 3 Tage 1 Mark, für den Sonntag verlangte man 50 und für den Montag 30 Pfennig. Auf dem Weg zum Bierzelt hatten die Margetshöchheimer Geschäftsleute Stände aufgebaut und sie boten ihre Waren an. An den 3 Tagen spielte unter der Leitung von Franz Muth die Fränkische Bauernkapelle, Veitshöchheim, die bis 1969 beim Margaretenfest den Ton angab. Zum Auftakt 1951 hatte die Lehrerin Martha Christ ein Heimatlied getextet, das in 5 Strophen gesungen werden konnte, aber die Melodie von „Wo die Nordseewellen...“hatte am Main keine Chance. Bereits beim ersten Fest wurden stündlich Busverbindungen von Würzburg angeboten und auch noch in den sechziger Jahren setzte die Würzburger Straßen- bahn Omnibusse zur Linienverstärkung ein. Als Ausrichter der 3 Tage zeichnete bis 1972 die politische Gemeinde verantwortlich. Großen Anteil am Gelingen des Heimatfests, wie man es anfangs auch nannte, hatte von 1951 bis 1967 Edgar Frischholz, heute Ehrenbürger unserer Gemeinde. Im April 1951 kam er als junger Lehrer nach Margetshöchheim, und er sagte Bürgermeister Volk sofort seine Festmitarbeit zu. So trat er schon beim Kindernachmittag 1951 mit seinen Schülern auf. Der Würzburger Hugo Werner hatte dann für das Margaretenfest 1952 das Schauspiel „Das Margetshöchheimer Gelöbnis“, ein Bühnenwerk in 4 Bildern, geschrieben. Unter der Regie von Edgar Frischholz wurde das Stück 2 Jahre im Schulhof von einer Margetshöchheimer Laienspielgruppe ( unser Foto ) aufgeführt. Die Handlung spielte im Bauernkrieg, um 1525. Das Bühnenbild stammte von dem bekannten Veitshöchheimer Maler Dieter Stein. Bis 1967 glossierte der Lehrer mit seiner Schülergruppe, jeweils am Samstagabend, mit der lustigen „Dorfchronik“ das Geschehen des vergangenen Jahres. Beifallstürme ernteten die jungen Sänger mit ihrem Lehrer. An den Kindernachmittagen am Montag wirkte die Schule ebenfalls mit, wobei der Dorfprominenz so mancher Streich gespielt wurde. Auch mit einem Wagen (unser Bild von 1956 ) beteiligten sich Schüler und Lehrer jährlich beim Umzug durch die geschmückten Ortsstraßen. Bis 1972 war die politische Gemeinde Ausrichter der 3 Tage. Nur die Feuerwehr feierte 1959 und 1964 ihre Vereinsjubiläen an diesen Tagen mit. Ab 1973 gab dann die Gemeinde ihre Veranstaltertätigkeit ab und legte sie in die Hände der örtlichen Vereine. Erster Festorganisator war der Fußballverein, der 1973 sein 25-jähriges Jubiläum hatte. Das Fest war also erhalten und die Besucherzahl gesichert, weil man jetzt sogenannte „Vereinsverwandte“ einlud. Später teilten sich auch mehrere Vereine die große Arbeit, wie z.B. 1987, als Feuerwehr,Fußballverein, Geflügelzüchterverein und Turnerbund Jahn die Aufgabe meisterten. 1992 teilten sich 3 Vereine, nämlich Fußballverein, KAB und Tennisclub die Arbeit. Inzwischen luden auch andere Landkreisgemeinden zu ihren Dorffestchen ein. Zweimal fiel das Margaretenfest aus, nämlich 1954 wegen großer Unwetter und Flut in Bayern und 1968 durch Rohrverlegungen am Festplatz. Die Patronstage werden seit Beginn am vorletzten oder letzten Wochenende im Juli gefeiert. Das Namensfest der heiligen Margarete ist der 20.Juli. In der Regel wird zu 3 Tagen eingeladen. Drei Feste gab es bisher mit 4 Tagen, nämlich 1973, als am Freitag im Zelt das Tanzbein geschwungen wurde, 1974 ein bunter Abend mit bekannten Künstlern stattfand und 1990 das 38. Fest mit einem Preisschafkopf im Zelt startete. Das bislang umfangreichste Programm bot der Ort 1977 zum 25. Margaretenfest. Die Gemeinde lud zur 750-Jahrfeier ein, die Feldgeschworenen links des Mains tagten, nach 1912 und 1953, zum dritten Mal in Margetshöchheim und der Obst- und Gartenbauverein bestand 70 Jahre und er trug die Verantwortung für die 3 Tage. Bis heute bildet der Festzug am Sonntag den Höhepunkt des festlichen Geschehens. Der Umzug zieht viele Landkreisbewohner und Städter in den Ort. Gemeinderat, politische Prominenz, Wagen, Fußgruppen, Reiter und Trachtengruppen ziehen mit Blasmusik oder Spielmannszug durch die beflaggten Straßen. Die örtlichen Vereine, Verbände und Gruppen stellen jährlich mit neuen Ideen den Zug zusammen. Die Zuschauer spenden immer reichlich Beifall. Nur 1987 verzichtete man auf den Marsch durch das Dorf. 50 Jahre, näm-lich bis 2003, fuhr Hochradfahrer Karl Götz dem Zug voraus. Unsere Festzugbilder zeigen eine Erntegruppe von 1952 und den damals noch bestehenden Arbeiter-, Rad- und Kraftfahrer-Verein Solidarität, im Jahr 1957. Von Anfang an ist es Brauch drei „Namenstagskinder“, die Margaretli, am Patrons- fest zu ehren und beim Festzug im Kabriolett oder in der Kutsche mitzunehmen. Die ersten waren die ältesten Bürgerinnen mit dem Vornamen Margarete, nämlich Marga- rete Brückner, Margarete Hennermann und Margarete Kuchenmeister (unser Foto, von links ). Später waren Margarete Buchinger, Margarete Eckert und Margarete Zander bzw. Margarete Will langjährige Patronssymbole. Ab 1967 hatten Margarete Geis, Margarete Weiler zusammen mit Margarete Will die Ehre. Margarete Oehrlein war dann ab 1969 dabei (unser Bild: Festgründer Ludwig Volk mit den 3 Margareten, von links, Will, Oehrlein und Weiler, im Jahr 1969). Ab 1975 gehörte Margarete Götz, ab 1980 Margarete Mergler und Margarete Seibert zu den Margareten. 1985 kam Margarete Dickert in das Trio, sie war dann ab 1988 mit Margarete Blaß und Margarete Schatz in Amt und Würden. 2001 rückte Margarete Fickeler nach und seit 2006 gehört Margarete Höpfingerzu den Festmargareten. Hauptsächlich in den ersten 20 Jahren spielte neben dem leiblichen Wohl auch die Unterhaltung der Zeltgäste eine große Rolle. Die damals so beliebte Blasmusik sorgte für die nötige Stimmung, die am Abend ihren Höhepunkt erreichte. Die musikalische Auf- forderung zum „Prosit der Gemütlichkeit „ steigerte den Bierumsatz und weil es laut genug durchs Festgelände tönte, hob man auch im Weinzelt und in der Bar die Gläser. Die Steigerung folgte, denn nicht selten wurde dann stehend auf den Bänken geschunkelt oder gar auf den Tischen getanzt. Zu später Stunde beendete man so manche Diskussion mit „handfesten“ Argumenten. Auch Maßkrüge flogen über Bord in den Fluß und gelegentlich war der eine oder andere alkoholisierte Zeitgenosse nach kühlem Mainbad wieder nüchtern. 17 Jahre gab die Fränkische Bauernkapelle den Ton im Zelt an, das am Weg zur Mainfähre aufgebaut war. Danach spielten in Margetshöchheim u.a. so bekannte Kapellen wie die Lustigen Egerländer, Leinach, die Trachtenkapellen aus Himmelstadt, Kürnach und Stetten, die Burggrumbacher, die Fränkischen Jäger, Gaubüttelbrunn, der Frankenexpress, die Franken Buam und die Blaskapelle Laudenbach. Chorvorträge, Sängerinnen und Sänger, Turnvorführungen, Kunstradfahren, Spiele und Sketche, Tanz auf der Bühne im Freien, Verlosungen, Preisdirigieren, Zauberkünstler und Kabarettisten boten am Samstag und Montag Unterhaltung und Abwechslung. Das lockte ebenfalls Gäste ins Gartendorf am Main. Auch ein Vergnügungspark erfreut von Anfang an Groß und Klein. (Unser Foto stammt von 1993) In seiner Amtszeit war Landrat Dr. Fritz Wilhelm fast jährlich Gast bei seinem Stellvertreter Ludwig Volk, und die Margetshöchheimer freuten sich über den prominenten Besucher. Volk band auch mehrmals aktuelle Ortsereignisse in den Festmontag mit ein. So z.B. 1961 das Richtfest der zweiten Obsthalle, 1962 den Anschluss der beiden Sandflur- quellen für die Wasserversorgung, 1967 die Einweihung des Mainstegs und 1969 die Fertig- stellung des 2. Schulhaustrakts am Grabenhügel. Der Montag war der Tag der Betriebe. Im Ort ruhte das Geschäftsleben. In den 80er Jahren bereicherte der Foto- Filmclub mit Aus-stellungen das Margaretenfest. Zwei Daten dürfen nicht vergessen werden. 1961 komponierte der Schwabe Erwin Beutelspacher das Margetshöchheimer Heimatlied mit dem Refrain „ Mein Margetshöchheim liegt am Mainesstrand, in meinem schönen lieben Frankenland....“ . Beutelspacher war mit einer Margetshöchheimerin verheiratet und er lebte hier einige Jahre. 3 Jahrzehnte später, 1991, schrieb Susanne Batz für das Volkskundeseminar der Universität Würzburg eine Arbeit über das Margaretenfest. Dozent war Bezirksheimatpfleger Dr. Reinhard Worschech. Die 3 Tage waren von Anfang an auch ein hohes kirchliches Fest. Der Gottesdienst am Sonntag, mit vorausgegangener Kirchenparade, ist der Höhepunkt in St. Johannes. Bekannte Würzburger Theologen predigten hier beim Hochamt, u.a. die Professoren Dr. Fleckenstein und Seufert, Direktor Fritz und Pater Guardian Meindl. Auch die Mess- feier für die Verstorbenen der Gemeinde, am Festmontag, blieb bis heute erhalten. In der Pfarrei St. Johannes gibt es sogar ein St. Margareta-Lied mit 6 Strophen. Als starke Stütze der 3 Tage gilt der Kindergarten. Der Zugwagen mit den Kindern, den Klosterschwestern bzw. Erzieherinnen und der Auftritt des Nachwuchses am Montag findet alle Jahre viel Zustimmung . ( Unser Foto zeigt den Festwagen von 1992 ) Ebenso arbeiteten die einzelnen kirchlichen Gruppen, wie z.B. Bücherei, Musikverein, KJG, KAB und Frauenkreis immer wieder beim Patronsfest mit. Die größte Änderung des Margaretenfests erfolgte 1995. Auf Vorschlag von Bürgermeister Günter Stock (SPD) wandelte man das Zeltfest in ein Straßenfest um. Ausschlaggebend dafür waren u.a. die hohen Kosten für die Musikkapellen und das Zelt. Als wichtiges Argument zog, dass bislang nur große Vereine die Patronstage allein ausrichten konnten. Jetzt sind alle Vereine und Gruppen personell mit eingebunden, und so haben nun auch die „Kleinen“ eine Teilnahmechance. Hinzu kommt noch, dass das Sitzen im Freien, nach mediterranem Flair, immer beliebter wurde. Andere Gemeinden hatten diese Art zu feiern schon mit Erfolg vor- gemacht. Und die Regenbedenken waren schnell vom Tisch, denn bei schlechtem Wetter bleibt auch das Zelt leer. Da bot sich die Mainstraße, rund um Rathaus und Kirche, als Festgelände an (Unser Bild). Die historischen Häuser, der nahe Fluss und die mächtigen Pappeln bilden die ideale Umgebung für die 3 Tage. Die Einheimischen sitzen mit den Auswärtigen gemütlich zusammen und man genießt die kulinarischen Köstlichkeiten und die Natur, und da ganz besonders am Abend unter dem Sternenhimmel. So mancher freut sich auch auf ein Wiedersehen mit einem Bekannten, den er im Jahr über nicht zu Gesicht bekommen hat. Jedes Jahr beteiligen sich viele Bürgerinnen und Bürger ehrenamtlich an den Vorbereitungen, an der Gestaltung der 3 Tage und an den Nacharbeiten der größten Veranstaltung im Ort. Die Patronstage sind seit mehr als 5 Jahrzehnte das Zeichen einer starken Dorfgemeinschaft. Die Margetshöchheimer hatten bislang immer viel Glück mit dem Wetter. Schon deshalb vertrauen sie auch weiterhin ihrer Ortspatronin, die zu den 14 Nothelfern gehört, und ehren die heilige Margarete, nach der um 1300 die Maintalgemeinde benannt wurde, nämlich in „ Hochheim sanctae Margarethae“. Daraus entstand dann später der Ortsname Margetshöchheim. Werner Lennemann

 
 

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